Ich durfte es ja am eigenen Leib erfahren wie es ist, ein zensiertes Internet zu benutzen. Damals, im Oktober 2009, wo ich das Vergnügen hatte drei Wochen in Shanghai und Beijing in chinesischen Hochsicherheitsgefängnissen Schulen zu verweilen. Facebook ging nicht, Twitter ging nicht, Gmail manchmal - aber dafür Bild.de. Toll.
Das Blog Information is Beautiful hat sich mal die Mühe gemacht aufzuzeigen, wie die chinesische Internetzensur so ungefähr aussieht und klebt für uns einen Auszug aus dem was man darf und was nicht, in eine nette Grafik:

(via informationisbeautiful.net)
Der vierte Juni steht übrigens nicht auf der Liste der zu blockenden keywords weil der deutsche Kaiser Karl IV. am 4. Juni 1365 zum König von Burgund gekrönt wurde. Auch nicht weil Prinz Gyanendra Bir Bikram König von Nepal am 4. Juni 2001 geworden ist. Sondern weil es um den 4. Juni 1989 geht, also: das Tian’anmen-Massaker. Anders als bei uns pflegt man aber in China von den “Zwischenfällen des 4. Juni” zu sprechen.
Apropos Zerschlagung von Protesten: Shanwei ist eigentlich eine an der Südküste Chinas gelegene Stadt mit gut drei Millionen Einwohnern. Eigentlich. Denn im Dezember 2005 wurde in der Nähe von Shanwei eine Massendemonstration vom chinesischen Regime zerschlagen. 70 Menschen kamen dabei ums Leben. Das größte Blutbad seit der “Zwischenfälle” auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Ich empfehle jedem, der sich mit dem großen Thema China auseinandersetzt, dieses Interview mit der Frau eines getöteten Demonstranten zu lesen.
Freuen können wir uns immerhin darüber, dass bundesregierung.de aus Chinaproblemlos angesurft werden kann. Genauso wie lachschon.de. Na dann verstehe ich auch gar nicht, warum sich immer alle so aufregen.